Bischof Johannes Seoka ist ein Augenzeuge, der nicht nur vor dem Massaker von Marikana zwischen den Streikenden und dem Bergbauunternehmen Lonmin zu vermitteln suchte, sondern auch während des auf das Massaker folgenden 5-monatigen Streiks der Bergarbeiter an Verhandlungen zu dessen Beilegung teilnahm, weil er das Vertrauen der Streikenden genoss. In einer Publikation der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) schildert er den Ablauf der Ereignisse bis zum heutigen Tag und erinnert daran, dass heute noch Minenarbeiter inhaftiert sind und viele Hinterbliebene und Überlebende weiterhin auf die zugesagte Entschädigung und eine offizielle Entschuldigung der Verantwortlichen warten.

Er sagte vor der von der Regierung eingesetzten Farlam-Kommission aus und kritisiert deren wenig sensiblen Umgang mit den Familien der ermordeten Bergleute. Dass eine strafrechtliche Verfolgung der am Massaker Beteiligten ausblieb, hält er für unverzeihlich. Um eine Sammelklage zu verhindern, bot die Regierung zwar eine Entschädigung in Höhe von 1 Milliarde Euro an – bis heute haben die Geschädigten jedoch nichts davon erhalten. Gemäss Seoka war die Farlam-Kommission eine Verschwendung von Zeit und Ressourcen, die zur Unterstützung der Opfer hätten eingesetzt werden können. Es könne keinen Frieden geben, keine Heilung stattfinden, solange der Gerechtigkeit nicht Genüge getan werde.

Bischof Seoka, der im Oktober 2014 an der KEESA-Tagung in Basel zu Marikana sprach, war aktiv am Aufbau der internationalen Kampagne Plough Back the Fruits beteiligt, welche die BASF, Hauptabnehmerin des von Lonmin geförderten Platins, zur Rechenschaft zieht. Die KEESA engagierte sich in dieser Kampagne, welche alle Glieder der Wertschöpfungskette für die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bergleute verantwortlich macht.

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